25. 10. 2023
creative.talk

Wibke Schaeffer & Moritz Zielke
Studio W

Wibke Schaeffer studierte freie Kunst in Dänemark sowie Architektur und Innenarchitektur. Seit 2002 ist die Wahlkölnerin als Architektin selbstständig. Moritz Zielke ist Schauspieler und Diplom-Designer. Er studierte Design an der KISD in Köln und stand über 25 Jahre unter anderem in der ARD-Serie „Lindenstraße“ vor der Kamera. Sein Interesse an ökologisch sinnvoller Gestaltung und Wohnraumplanung führte im Juni 2011 mit Wibke Schaeffer zur Gründung von wiederverwandt und später Studio W. Studio W plant und baut im Denkmal, für die Biogastronomie- und Hotellerie, für Bio- und Weltläden, entwirft Tiny Houses, Produkte für private und kommerzielle Projekte und gestaltet Räume mit Fokus auf Nachhaltigkeit.
Das Studio W ist ein Zielort der Exkursionsreihe SUSTAINABLE CREATIVES, die Good-Practice-Beispiele der Kölner Kreativwirtschaft besucht und die Vernetzung zum Thema Nachhaltigkeit unter Kreativschaffenden fördern will.

Foto: Thomas Schaekel

Sie betreiben seit 2011 ein gemeinsames Atelier für nachhaltige Architektur und Innenarchitektur. Was hat Sie damals dazu bewogen, den Fokus auf Nachhaltigkeit zu legen? 

Für uns war völlig klar, dass wir nur nachhaltig gestalten und bauen wollen und können, etwas anderes kam nicht in Frage, das stand nicht zur Diskussion. Seitdem versuchen wir, Nachhaltigkeit in vielen Aspekten in unseren Projekten zu verwirklichen, zum Beispiel auch im Sozialen.

Wie gehen Sie bei der Umsetzung Ihrer Gestaltungsaufträge vor, um den Kriterien der Nachhaltigkeit zu entsprechen? 

Zunächst einmal erfassen wir die Bedürfnisse unserer Auftraggebenden und erarbeiten in Workshops erste Lösungen mit Hilfe von Kreativtechniken und Strategien. Dadurch ergeben sich häufig schon die ersten Alternativen. Im zweiten Schritt schauen wir dann in allen Fragen der Gestaltung und Planung auf möglichst ökologische oder nachhaltig produzierte Materialien. Wir suchen aktiv Firmen für unser Netzwerk, deren Anspruch an Zukunftsfähigkeit mit dem unseren korrespondiert, so dass wir schließlich auf ein größeres Netzwerk zugreifen können. Darüber hinaus besuchen wir viele Messen, die entweder ihren Fokus bereits auf Nachhaltigkeit gelegt oder sich dieser komplett verschrieben haben, wie die Innatex und die Weltladen-Fachtage.

Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist die Planung und Umsetzung von Tiny Houses und Modulhäusern. Sieht so die Zukunft des Bauens aus? 

Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Dem Modulbau mit ressourcenschonenden, insbesondere nachwachsenden Rohstoffen und Materialien gehört sicherlich die Zukunft. Zu den Tiny Houses: Aufgrund des hohen Flächenverbrauches wäre es naiv zu denken, dass sehr viele Menschen in Kleinsthäusern wohnen können. Allerdings können klassische „Tinys on wheels“ gerade in Zeiten von Wohnungsknappheit eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn sie als sogenannte Pioniergewächse beispielsweise Brachen kurzfristig erobern. Mit Kleinstwohnformen können einfache kooperative Gemeinschaften entstehen, indem man sich bestimmte Funktionsbereiche wie Arbeits- und Gemeinschaftsräume oder Werkstätten teilt. Ein weiterer Aspekt ist die Nachverdichtung in Großstädten, indem man Tiny Houses in Baulücken setzt oder die Dächer nutzt.

Das Studio W ist am 9. November ein Ort der Exkursionsreihe SUSTAINABLE CREATIVES. Ziel der Reihe ist, den Kreativschaffenden Impulse für nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften zu geben. Wie schätzen Sie die aktuellen Bestrebungen der Kölner Kreativbranchen in Sachen sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit ein? Welche Rolle spielt dabei der wechselseitige Austausch?

Die Kölner Kreativbranche ist sehr divers. Dadurch, dass wir uns schon lange in diesem Umfeld bewegen, haben wir guten und regelmäßigen Austausch mit gleichgesinnten Büros. Gerade aber in Bezug auf die derzeitigen Krisen sind wir alle umso mehr dazu aufgerufen, noch mehr in puncto sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit zu tun. Wir arbeiten beide an Hochschulen und sehen hier großes Potenzial bei den jungen Menschen. Dieser Austausch spielt eine große Rolle, um immer wieder eingefahrene Pfade zu verlassen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Ein Ergebnis der von ökoRAUSCH durchgeführten Bedarfsanalyse zum Thema Nachhaltigkeit in der Kölner Kultur- und Kreativszene war, dass mangelnde WoMenpower, Zeit und finanzielle Mittel die größten Hürden in Bezug auf nachhaltiges Handeln darstellen. Stimmen Sie dem zu? Und wie könnte man Abhilfe schaffen? 

Es kostet unserer Meinung nach nicht mehr Zeit, nachhaltig zu planen. Auch benötigt es absolut dieselbe WoMenpower. Falls die nachhaltige Alternative wirklich mit einem höheren finanziellen Aufwand verbunden sein sollte, wird in der Regel, auf die Lebensdauer eines Produktes gerechnet, bei genauerer Betrachtung Geld gespart.
Man könnte Abhilfe schaffen, indem man aufklärt und ein Bewusstsein schafft für Langlebigkeit. Moritz’ Oma hat immer gesagt: „Sparen fängt beim Ausgeben an!“
Wir möchten gern in Jahrhunderten denken. Nicht zuletzt macht Nachhaltigkeit Spaß und ist sinnstiftend.

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