10. 2. 2026
creative.talk

Janine Steeger
ecosign – akademie für nachhaltiges design

Janine Steeger

Janine Steeger ist ausgebildete Fernsehjournalistin mit fast 20 Jahren Erfahrung vor und hinter der Kamera. 2015 hat sie sich auf die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz spezialisiert. 2020 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Going Green – warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu retten“, 2022 folgte „Warum Frauen die Welt retten werden – und Männer dabei unerlässlich sind“ gemeinsam mit Ines Imdahl. Steeger ist außerdem Co-Founderin von futurewoman.de, einem Portal, auf dem Veranstaltende und Redaktionen gezielt nach Nachhaltigkeitsexpertinnen suchen können. Seit Juli 2025 ist sie zudem Direktorin der ecosign – akademie für nachhaltiges design in Köln.

Janine Steeger ist Jury-Mitglied bei den creative.projects 2026.

Foto: Charlotte Wulff

In deiner Rolle als Direktorin der ecosign bist du im letzten Jahr von der Kreativwirtschaft in die Bildungsbranche gewechselt. Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen in der deutschen Hochschullandschaft – allgemein und insbesondere in Kreativstudiengängen, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Selbstverständnis zu vermitteln?

Ich bin überzeugt, dass Bildung insgesamt zu wenig aufs Leben vorbereitet und auch zu wenig auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. Dann macht KI vielen Menschen Sorgen, insbesondere auch den Kreativen. Und gleichzeitig ist Nachhaltigkeit zumindest als Wort derzeit ziemlich unerwünscht. Also ein schöner Blumenstrauß an Herausforderungen. Aber das liebe ich persönlich ja. Einfach können viele.

Wie geht die ecosign mit diesen Herausforderungen um? Welche Strategie verfolgt ihr für die Zukunft?

Nachhaltigkeit muss das neue Normal werden, deshalb wird die Vermittlung von planetaren Grenzen und der Frage, wie Gesellschaft innerhalb derer funktionieren kann, weiterhin als Basis unserer Lehre Bestand haben. Mit dem Wort selbst gehen wir aber auch weniger inflationär um – auch, weil wir dazu beitragen wollen, dass es eben „state of the art“ wird. Insgesamt basteln wir gerade an unseren Bestandsstudiengängen „Nachhaltiges Design“ und „Nachhaltiges Management“ herum, indem wir die sinnvolle Nutzung von KI überall implementieren. Darüber hinaus entwickeln wir gerade ganz neue Angebote für Studiengänge, Aus- und Weiterbildung, die die von mir beschriebenen Lücken schließen. Wir stehen dazu im engen Austausch mit Eltern und Unternehmen, um zu erfahren, was wirklich gebraucht wird. Nur so können und werden wir die bestmöglichen Angebote entwickeln.

Du bist in diesem Jahr Teil der Jury unseres Wettbewerbs creative.projects. Mit deiner langjährigen Erfahrung im Nachhaltigkeitsdiskurs: Was ist aus deiner Sicht wichtig, wenn es um sozial-ökologischen Impact und echte Transformationskraft von Projekten geht?

Leider muss ich auf diese Frage immer noch antworten: Was wir am dringendsten brauchen, ist Mut von allen Beteiligten. Wir bilden an der ecosign Problemlöser:innen der Gegenwart und Zukunft aus. Das bedeutet auch: Wir müssen uns den Problemen erst mal mutig stellen, sie verstehen und wirklich durchdringen – und nicht irgendetwas unberücksichtigt lassen, weil es besonders schwierig erscheint. Dann müssen wir mutig über Lösungen nachdenken, wirklich neue Wege denken und sie später auch gehen, vermeintliche Gesetzmäßigkeiten hinterfragen. Und dann braucht es natürlich den Mut der Möglichmacher:innen – von Chef:innen, Investor:innen, Politiker:innen, von Behörden und Institutionen, die gute Ideen erkennen und sie entsprechend unterstützen.

Gerade die Designwirtschaft prägt Konsum, Nutzung und Wahrnehmung. Wo siehst du die größten Hebel – aber auch die größten Versäumnisse –, wenn es um nachhaltiges Design geht?

Design ist der Nukleus von allem, was entsteht. Heißt auch: Darauf liegt eine riesige Verantwortung. Denn im Design – at the beginning of the pipe – entscheidet sich, ob hintenraus etwas Gutes oder Schlechtes entsteht. Der Impact von Design in Bezug auf Kreislaufwirtschaft und damit eine Wirtschaftlichkeit insgesamt wird in meiner Wahrnehmung immer noch grandios unterschätzt. Hinzu kommt, dass wir wissen, dass Konsum nicht glücklich macht und viele Geschäftsmodelle sich einfach überholt haben. Aber wir sind noch viel zu langsam, den alten Geschäftsmodellen wirklich etwas Neues entgegenzusetzen. Das müssen wir dringend ändern, und dafür braucht es mehr denn je Designer:innen, die das Gestalten allumfassend verstehen.

Du hast mit futurewoman.de eine Plattform gegründet, die gezielt Nachhaltigkeitsexpertinnen sichtbar macht, und auch in deinem letzten Buch geht es um die Bedeutung von Frauen für eine bessere Welt. Welche Rolle spielen aus deiner Sicht weibliche Perspektiven für eine glaubwürdige und wirksame Nachhaltigkeitstransformation?

Es gibt einige weibliche Stärken, die extrem wichtig sind für die ganzen Transformationsprozesse, die uns bevorstehen: Durchhaltevermögen, Empathie, Ordnung schaffen, langfristiges und komplexes Denken. Diese Fähigkeiten sind übrigens nicht dem biologischen Geschlecht zuzuordnen. Durch Sozialisierungsprozesse in unseren Gesellschaften haben aber häufiger Frauen genau diese Top-Future-Skills, die es braucht. Aber jedes Geschlecht kann jede Stärke haben und anwenden. Das Wichtigste ist, dass wir endlich dahin kommen, alle Perspektiven und alle Stärken mit einzubeziehen. Aktuell leben wir immer noch in patriarchalen Strukturen, die alte Narrative bedienen, die unsere Lebensgrundlagen nachweislich zerstören. Und es ist manchmal schrecklich ermüdend, dass wir nicht längst viel weiter sind.

Künstliche Intelligenz verändert alle Lebensbereiche rasant. Wo erlebst du in deiner eigenen Arbeit die größte disruptive Wirkung von KI – eher im Journalismus, im kreativen Gestaltungsprozess oder in der Ausbildung zukünftiger Kreativer?

Kein Bereich wird ausgespart, wenn es um KI geht. Und deshalb trifft es meine beiden beruflichen Stränge gleichermaßen. Aber das Spiel hat überall die gleichen Regeln: Wir können die KI nutzen, um uns das Leben und die Arbeit leichter zu machen. Und wir sollten uns damit auskennen. Und dann sollten wir mit gesundem Menschenverstand entscheiden, was davon uns wirklich hilft und was in die Tonne kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir als Menschheit das schaffen werden.

Mehr Infos

Mehr Infos zur ecosign