Wo in NRW lebst du und warum gefällt es dir da?
Ich lebe seit vier Jahren in NRW. Ich habe zunächst in Dortmund gelebt und bin vor Kurzem nach Düsseldorf gezogen. NRW gefällt mir sehr gut. Die Menschen hier sind meiner Erfahrung nach freundlich, und ich schätze besonders die gute Vernetzung der Städte. Während man in Berlin oft lange unterwegs ist und dennoch in derselben Stadt bleibt, erreicht man in NRW in kurzer Zeit ganz unterschiedliche Orte. Genau das empfinde ich als großen Vorteil dieser Region. Ich habe viele Städte in Deutschland besucht, und diese Vielfalt auf engem Raum ist etwas Besonderes. Dortmund mag ich sehr – dort gibt es ein breites kulturelles Angebot und viele Aktivitäten. Aber auch Düsseldorf hat viel zu bieten. Und ganz persönlich: Ich liebe den Rhein.
Womit beschäftigst du dich und warum?
Ich war zunächst Fellow an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund und arbeite im Koproduktionslabor im Dortmunder U. Parallel dazu bin ich freiberuflich als Creative Coder tätig und habe vor Kurzem den Masterstudiengang „Klang und Realität“ an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf begonnen. Ursprünglich habe ich Bildende Kunst in Argentinien studiert und anschließend viel mit Theater und Musiker:innen gearbeitet. Das Programmieren habe ich mir größtenteils selbst beigebracht. Besonders interessieren mich Open-Source-Projekte. Inhaltlich beschäftigen mich Fragen zur Rolle von Technologie in der Gesellschaft: Wie beeinflusst sie unser Handeln, und wie können wir bewusster mit ihr umgehen – sowohl als Künstler:innen als auch als Nutzer:innen? Ich halte es für sehr wichtig, Wissen zu teilen und Räume zu schaffen, in denen solche Fragen gemeinsam verhandelt werden können.
Welche Veranstaltung in NRW sollten wir auf keinen Fall verpassen?
Im KoLab (Koproduktionslabor) organisieren wir dreimal im Jahr die KoLab Days. Während dieser Zeit öffnen wir unser Labor für die Öffentlichkeit und laden zu Workshops, Ausstellungen und Artist Talks ein. Gleichzeitig bieten die KoLab Days eine gute Gelegenheit, unterschiedliche Menschen und Künstler:innen kennenzulernen und sich auszutauschen. In diesem Jahr finden die ersten KoLab Days vom 16. bis 19. April, die zweiten vom 20. bis 26. Juli statt, und eine dritte Ausgabe ist für September geplant. Weitere Informationen gibt es auf unserer Website.
Wen sollten wir unbedingt mal kennenlernen?
Auf jeden Fall meine Kolleg:innen im KoLab. Wenn man Unterstützung für ein Projekt sucht, bringt jede Person eigene Perspektiven und Erfahrungen ein. Der daraus entstehende Austausch ist sehr bereichernd – nicht nur fachlich, sondern auch auf persönlicher Ebene. Besonders schätze ich, dass alle bereit sind, voneinander zu lernen und Dinge kritisch zu hinterfragen, sei es in Bezug auf Methoden oder im zwischenmenschlichen Umgang. Diese Offenheit halte ich in allen Lebensbereichen für äußerst wertvoll.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der Menschen Technologien kritisch hinterfragen. Gerade im Kontext von Künstlicher Intelligenz, die oft als Mittel zur Beschleunigung von Prozessen verstanden wird, halte ich es für wichtig, sich zu fragen, ob wirklich alles schneller gehen muss. Welche Bedeutung haben Lernprozesse, wenn wir sie bewusst durchlaufen? Und welchen Wert hat diese Zeit des Verstehens? Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir lernen, verantwortungsvoller und respektvoller mit natürlichen und menschlichen Ressourcen umzugehen.
Was du uns oder der Welt schon immer sagen wolltest …
Ich möchte ein Zitat der Künstlerin Olia Lialina teilen: „Wir, die Allzwecknutzer – weder Hacker noch Maschinen –, die bewusst oder unbewusst die Grenzen dessen ausloten, was wir tun können und was Computer tun können, sind die eigentlichen Akteure der Mensch-Computer-Symbiose.“
Das KoLab unterstützt digitale Kunst- und Kulturprojekte in NRW und präsentiert sein Angebot im Rahmen der creative.projects Preisverleihung am 11. Mai 2026 in der TRUDI Kreativ-Kathedrale in Essen.
Foto: KoLab
